Bereits Ende des 19. Jahrhundert begannen Forscher an einer Kontaktlinse zu experimentieren. Die ersten wirklich tragbaren Kontaktlinsen gab es kurz vor dem zweiten Weltkrieg – aber erst in den Jahren nach 1960 wurde dank der Herstellung von weichen Kontaktlinsen auch ein wirklicher Tragekomfort erzielt. Heutzutage hat die Forschung eine Vielzahl von Kontaktlinsenarten auf den Markt gebracht und für fast jeden gibt es ein passendes Modell.
Die weichen Kontaktlinsen gibt es in Form von Tages- und Monatslinsen, teilweise auch als Jahreslinsen. Die Tageslinsen sind vorteilhaft für Sportler, die zum Beispiel nach dem Schwimmen im Chlor- oder Salzwasser aus Hygienegründen die Linsen öfters wechseln müssen. Die weichen Kontaktlinsen sind häufig preiswerter als harte Kontaktlinsen. Die harten, formstabilen Kontaktlinsen sind meist etwas Sauerstoffdurchlässiger für das Auge. Die Beschaffenheit der harten Kontaktlinsen ist vorteilhafter für Linsenträger mit einer Hornhautverkrümmung.
Für das mehrtägige Tragen von Kontaktlinsen wurden die Silikonhydrogellinsen entwickelt. Eine besonders sauerstoffdurchlässige Linse ermöglicht das Tragen “Rund um die Uhr” für etwa 4 Wochen. Es ist zwar nachts noch mit einer leichten Reizung des Auges zu rechnen, aber die Forschung entwickelt diese spezielle Linse immer weiter. Besonders beliebt sind die farbigen Kontaktlinsen. Je nach Wunsch kann man mit der Linse in eigener Augenfarbe mehr Farbintensität erreichen, oder mit einer anderen Farbe experimentieren. Grüne Kontaktlinsen auf grünen Augen können einen Katzenartigen Ausdruck erzeugen, der besonders bei dunkelhaarigen Frauen beliebt ist. Ein ausgefallener Look kann durch das Tragen von Motivlinsen geschaffen werden. Mit dem Wappen des Lieblingsvereins versehen, komplementieren sie die herkömmliche Fanausrüstung mit Trikot und Fanschals.
Eine große Erleichterung für viele Kontaktlinsenträger ist die Entwicklung von Mehrstärkenkontaktlinsen. Bei den meisten Menschen treten ab dem 40. oder 45. Lebensjahr die ersten Anzeichen der so genannten Altersweitsichtigkeit auf, die dann zum Tragen einer Lese- oder Gleitsichtbrille führen würde. Die Mehrstärkenkontaktlinsen – auch Multifokallinsen genannt – gibt es sowohl als weiche und harte Kontaktlinse. Diese Speziallinsen sollten unbedingt von einem Augenarzt oder Optiker angepasst werden. Inzwischen haben sich immer mehr Firmen und Hersteller auf die Multifokallinsen spezialisiert, so dass für jeden Linsenträger das richtige Modell zu finden ist.
Die Vorteile von Kontaktlinsen gegenüber einer Brille sind nicht nur kosmetischer Natur. Da eine Korrektur der Sehschärfe direkt auf dem Auge stattfindet, hat man mit dem Tragen der Kontaktlinsen ein besseres Ergebnis als mit dem Tragen einer Brille. Der störende Brillenrand entfällt bei Linsen ebenso wie der kleine tote Winkel, den so mancher Brillenträger beim Autofahren bemerkt. Insbesondere für Personen mit hohen Dioptrien Werten ist eine entsprechend dicke Brille unangenehm. Schwere und klobige Brillen müssen in der heutigen Zeit nicht mehr sein – gut angepasste Linsen sind für jeden Sehschwachen ein Vorteil. Einige Berufsgruppen bevorzugen Kontaktlinsen statt einer Brille. So haben gerade Köche und Bäcker das Problem mit dem Beschlagen der Brille beim Kochen oder beim Öffnen des Backofens. Auch ein Temperaturwechsel beim Arbeiten in Kühlhäusern führt bei Brillenträgern zum lästigen Beschlagen und entsprechend häufigen Brillenputzen. Sportler bevorzugen ebenfalls Kontaktlinsen. Wer schon einmal versucht hat mit seiner normalen Brille Schifahren zu lernen, der weiß was gemeint ist. Durch Schwitzen verrutschende Brillen oder die Gefahr des Brille verlieren würde kein aktiver Sportler eingehen. Das Tragen von Kontaktlinsen hat aber auch ein paar Nachteile. Man sollte die Linsen nicht zu lange tragen und nach Möglichkeit den Augen etwa zwei bis drei linsenfreie Stunden am Tag ermöglichen. Ein linsenfreier Tag in der Woche wird ebenfalls empfohlen, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung des Auges zu gewährleisten. Dadurch benötigt man zu den Kontaktlinsen noch eine Brille, um auch in den linsenfreien Stunden oder Tagen den Durchblick zu behalten. Wichtig ist eine einwandfreie, hygienische Handhabung im Umgang mit den Kontaktlinsen, um eine Verletzung und Infizierung der Augen zu vermeiden. Die Augen ermüden erfahrungsgemäß schneller beim Tragen der Kontaktlinsen, wenn die linsenfreien Zeiten nicht eingehalten werden.
Die Kosten für die Kontaktlinsen und die zusätzlich anfallende Brille sind sehr unterschiedlich. Je nach Art der Kontaktlinse und des Pflegemittels variieren die Kosten stark und man sollte sich vom Augenarzt und mindestens zwei Optikern ausführlich beraten lassen. Dort wird man auch über die unterschiedlichen Reinigungsprodukte informiert und in die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Pflegesysteme eingeführt. Wichtig ist in jedem Fall bei Monats- und Jahreslinsen ein Proteinentferner für zwischendurch zu benutzen und bei Bedarf einen Augenbefeuchter, in Form von kleinen Tropfen, immer dabei zu haben.